Das Ende der Pinzauer Welt

Auch die Eröffnung der Schmalspurbahn von Zell am See nach Krimml im Jahre 1898 verhalf der Gerlosstraße nicht zur Besserung, weil sich die Bewohner des Oberpinzgaus nicht auf ein gemeinsames Ziel verständigen konnten. Die einen plädierten für den Ausbau des "Ronachweges", die anderen beharrten auf einer neuen Straße über Krimml, denn die Pinzgauer Bahn endete fast 3 Kilometer vor den Wasserfällen, und so müsse eine moderne Straße erst zu diesem Naturwunder und dann weiter auf die Gerlos gebaut werden.

Und dies zeichnete sich 1932 endlich ab: Mächtige Leute plädierten dafür, die Trasse der Großglockner-Hochalpenstraße mit einem langen Tunnel durch den Alpenhauptkamm um 8 Kilometer zu verkürzen. Doch Experten entschieden, dass dieser Mehraufwand für die Tunnelvariante ungleich sinnvoller angelegt wäre, "um die 35 Kilometer lange Gerlosstraße fertig auszubauen, die 20 Kilometer lange Zillertalstraße für den modernen Kraftwagenverkehr befriedigend auszugestalten und die Pinzgauer Landesstraße zu verbessern."

Leider vertagten Weltwirtschaftskrise und Zweiter Weltkrieg all diese Pläne, sodass es noch bis zum Aufblühen des Wirtschaftswunders dauerte, ehe 1949 DI Franz Wallack, der Erbauer der Großglockner Hochalpenstraße, im Auftrag der Regierung das Projekt der neuen Gerlosstraße vorlegte.

Und so startete die Großglockner Hochalpenstraßen AG 1960 den zweijährigen Bau dieser 12 Kilometer langen Straße über 558 Höhenmeter mit einer Höchststeigung von neun Prozent. Die feierliche Eröffnung der Gerlos Alpenstraße erfolgte am 1. Dezember 1962. Als dann auch noch Tirol und die Tauernkraftwerke 1964 beim Bau des Durchlaßspeichers die Straßenlücke zwischen Passhöhe und dem Dorf Gerlos schlossen, waren die Unterlassungssünden früherer Zeiten vergessen.

Die touristisch ungemein attraktive Gerlos Alpenstraße stellt die Verbindung zwischen zwei Tälern her, die heute mehr denn je nicht nur als Verbindungsweg, sondern als einmaliges Naturerlebnis im Nationalpark Hohe Tauern genützt wird.

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